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Prüfung eins: check. Jetzt: Motivationsloch.

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Das war sie also, meine erste Magisterabschlussprüfung, am letzten Freitag. Sie kam schneller als erwartet, also habe ich die Tage davor durchgelernt. Ich hatte mir für Donnerstag einen super Plan zurechtgelegt, um fit und vorbereitet in die Prüfung zu gehen: bis 22 Uhr noch lernen (hatte mir ziemlich viel Prüfungsliteratur ausgesucht), dann Zusammenfassungs-Mindmaps malen (zum ersten Mal), ins Bett gehen, um 7 Uhr aufstehen, wiederholen, dabei frühstücken, zur Prüfung fahren. Pustekuchen! Hab noch bis etwa halb vier Uhr nachts gelesen und zusammengefasst, viel Zeit zum Frühstücken und Wiederholen war morgens dann nicht. Bin pünktlich losgefahren, pünktlich angekommen. Habe fünf Minuten vor Prüfungsbeginn den Raum betreten und wundere mich noch, dass die anderen Prüflinge schon ihre Aufgaben vor sich liegen haben. Verdutzt guckt mich der aufsichtshabende Dozent an. „Hat es etwa schon angefangen?“, frage ich ihn. „Na klar, wer sind sie denn?“, fragt er ebenso verdutzt zurück. Dabei war ich erst letzte Woche in seiner Sprechstunde… Nicht der Moment für Diskussionen (kann ja nix dafür, wenn seine Uhr falsch geht, meine wars definitiv nicht), also murmele ich irgendwasn „oh meine Uhr…blabla…“ und gebe ihm meine Zulassung. Mit meinen Aufgabenzetteln setzte ich mich ein paar Reihen hinter an den Rand der Aula und versuche so leise wie möglich meine Vorbereitungen zu treffen – die anderen schreiben ja schon. Ich allerdings habe ein metallenes Federkästchen, was mir vom Pult rutscht und muss mir noch Schmierzettel abreißen. Ging beim besten Willen nicht leiser, tat mir trotzdem leid. Und nun hatte ich ganz vergessen zu fragen, ob er die Uhrzeit regelmäßig ansagen kann. Auf mein Handy gucken, ist ja bestimmt nicht drin… Egal, ich musste einfach anfangen. Zwei Fachgebiete, zwei mehr oder weniger ausführliche Fragen und vier Stunden schreiben standen mir bevor. In der Älteren Deutschen Germanistik hatte ich einige Zeilen aus dem Tristan von Gottfried von Straßburg übersetzen und die Minnegrottenepisode „vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Bedeutungsdimension der memoria! (Gedächtnispalast, Allegorie, minne)“ erläutern. (Ich hab die Fragenzettel geschnickt, die muss ich einfach haben, abheften, später vor meinen noch zu zeugenden Kindern damit angeben.) Für die Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft sollte ich an mindestens einem Beispiel Formen und Funktionen literarischen Erinnerns im deutschen Gegenwartsroman erörtern. Konnte mich aber nicht auf ein Beispiel besinnen, manchmal fiel mir spontan zu einer Form nur ein Beispielbuch ein, zu einer anderen passte das aber nicht. Also habe ich letztendlich alle benutzt (übrigens alle absolut lesenswert, jedes auf seine Art): W. G. Sebald – „Austerlitz“, Stephan Wackwitz – „Ein unsichtbares Land“ und Uwe Timm – „Am Beispiel meines Bruders. Tja, was soll ich sagen. Meine Einschätzung schwankt zwischen „bestanden dürfte es sein“ (hab acht Seiten pro Thema geschrieben und dürfte zumindest ein paar sinnvolle Sätze dabei haben) und „vielleicht war es sogar ganz gut“. Es war hart, auf jeden Fall. Ich hab die kompletten vier Stunden durchgeschrieben und entsprechend kaum Zeit gehabt, meinen tollen Gingko-Konzentrationstee zu trinken, geschweige denn Schokolade zu essen. Danach tat mein Arm weh, bin es nicht mehr gewohnt, mit Füller zu schreiben.

Am erstaunlichsten fand ich, wie schwer es war, vier Stunden lang konzentriert durch zu denken und zu schreiben. Mal ehrlich, wie oft arbeitet ihr vier Stunden am Stück, ohne mal schnell Emails und Facebook zu checken, nen Kaffe zu holen oder mit jemandem zu sprechen? Eben. War toll, als es vorbei war. Mein Dozent stand schon vor mir, hat mich aber meinen letzten Satz noch zu Ende schreiben lassen. Abends gabs dann Wein und lecker Pasta von meinem Freund. In anderthalb Wochen ist die nächste Prüfung und ich kann mich schon wieder nicht mehr zum lernen aufraffen. Jetzt am Wochenende hab ich die Literatur recherchiert und eine Seite gelesen. Aber ich war auch noch unterwegs für meine Bewerbungsreportage. Die will der dritte Sender, bei dem ich mich um ein Volontariat beworben habe, übermorgen haben. Ich hab noch ne lange Nacht vor mir.

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