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Vertrau auf dich

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Das ist die Lehre, die ich aus der letzten Woche ziehen kann. Und die ich euch als Motto jetzt so da hinknall, denn es mag abgenutzt und klischeemäßig klingen, aber ich mein es genau so. Die mündlichen Prüfungen waren hart, dreimal war mir schlecht, mein Herz klopfte bis zum Hals. Dreimal habe ich noch auf der Hinfahrt gelernt – während der roten Ampelphasen. Dreimal habe ich dann auf Fragen antworten müssen, die mich teilweise hinters Licht führen wollten, die bewusst so formuliert waren, dass bloßes zustimmen zum vom Prof Mitgemeinten falsch gewesen wäre. Ich habe mich teilweise gut, teilweise sogar sehr gut geschlagen. Trotz durchgelernten Nächten und Last-Minute-Wissen-Aufsaug-Versuchen. Jede Lernbroschüre wird euch sagen, tut das nicht!!! Wenn dir aber fünf Minuten vorher nicht mehr einfällt, wie man einen Erzähler nennt, der zugleich die Hauptfigur der Geschichte ist (autodiegetisch), dann google das. Du wirst es nicht brauchen, aber dich besser fühlen. Ich war selten so müde, so aufgeregt, so ängstlich. Aber das ging vorbei. Frage anhören, durchatmen, auf sich (und das Gelesene) vertrauen, loslegen. Und dann: endlich wieder feiern gehen bis die Sonne aufgeht. Schön wars.

Anekdote am Rande: Selbstverständlich, der Ironie des Schicksals und Murphys Gesetz weiter folgend, streikte kurz vor der Prüfung in germanistischer Literaturwissenschaft mein Drucker. Die gelbe Patrone gab just während der Kopie eines Kreuzgedichts (etwa wie dieses hier) auf. Resultat: sattes leuchtendes Lila. Und keine Zeit für Patronenwechsel oder Copyshopbesuch. Also habe ich das Buch eingepackt. Wieso ich die falschfarbige Kopie trotzdem mitnahm, man weiß es nicht. Bestimmt meinte mein Unterbewusstsein mir da noch mal einbleuen zu müssen, dass das ja alles Geld kostet und deswegen nicht im Müll landen sollte. Was ich befürchtete, waren nun belehrende Worte zur rechtzeitigen Vorbereitung. Was tatsächlich folgte, war hellaufes Lachen meines Profs und Begeisterung für die moderne Farbgebung. War die meditatio, zu der die Kreuzgedichte dienten, so nicht unweigerlich intensiver? Wie in einem LSD-Trip? Ähnliches musste durch seinen Kopf geistern, er hatte seinen Spaß und ich meine 1,0.

Aber um nochmal zum Motto in der Überschrift zurückzukommen: Immer dann, wenn ich von einem Gedanken glaubte, dass er zu pathetisch oder unwissenschaftlich sei, reagierten die Prüfer mit Begeisterung, wenn ich ihn mitteilte. Am Ende der nahezu durchweg angenehmen Literaturprüfung attestierte man mir den Kopf und das grundlegende Verständnis einer Künstlerin. Was ich damit anfange, weiß ich noch nicht, aber dass jemand etwas derartiges in mir sieht, beweißt die Gültigkeit meines neuen Mottos. Das ist wirklich was drin, in mir, das lass ich jetzt raus. Freitag bekomme ich das erste Mal die Chance, einige meiner Fotos auszustellen.

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